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Die Ursachen des Leidens

Dieser Titel klingt etwas dramatisch, das gebe ich zu, aber es ist eine Übersetzung/Interpretation des Sanskrit-Wortes "Klesha" (kleśa) und kommt aus der indischen Philosophie. Dabei geht es darum, dass es 5 Gründe gibt, weshalb wir leiden, sozusagen die 5 Ursachen allen Übels, etwas, das ganz tief in uns stört. Diese Störungen

gilt es natürlich im Laufe eines Lebens zu überwinden, um zufrieden und glücklich zu sein.

Was hat das mit unseren Hunden zu tun, fragst du dich gerade? Sehr viel, weil wir Menschen diese 5 Ursachen allen Übels geradewegs im Zusammenleben mit unseren Hunden "anwenden" und so unser und deren Leben unnötig schwer machen, weil wir dadurch Druck und Stress auf uns selbst und auf unsere Verbeiner erzeugen. Das wiederum führt zur Missachtung ihrer Bedürfnisse, was in Folge zu "Problemverhalten" führt, das der Mensch dann versucht durch Training wiedergutzumachen, ohne aber den Ursachen auf den Grund zu gehen. Infolgedessen funktioniert Training - wenn überhaupt - nur kurzfristig und, was noch wichtiger ist, es macht den Hund nicht glücklich und zufrieden. Den Menschen macht es eventuell zufrieden, weil er glaubt, die Kontrolle über seinen Hund zu haben, aber glücklich macht es auch nicht. Der Schein trügt.

 

Das Nichtwissen

Die Grundlage allen Übels, das "Ur-übel" sozusagen, ist das Nichtwissen, und zwar im Sinne von falschem Wissen und Täuschung. Man glaubt nur der eigenen Wahrheit, während andere verschleiert bleiben. Das kommt daher, dass unsere Wahrnehmung von Dingen immer subjektiv ist. Aus der Sicht eines anderen Menschen sieht auch dessen Wahrheit anders aus. Es gibt also immer viele Wahrheiten. Wenn wir nur bei unserer eigenen bleiben, dann erkennen wir die anderen nicht, die aber auch zur eigentlichen Wahrheit dazugehören. Es ist also unser Nichtwissen, das zu Täuschung und Fehlinterpretationen führt. Das sehen wir im Umgang mit unseren Hunden sehr oft. Hunde werden in Kategorien eingeteilt, bestimmte "Rassemerkmale" werden ihnen zugeschrieben, Etiketten werden ihnen aufgeklebt. Das kann dazu führen, dass man Hunde nicht objektiv beobachtet, sondern immer eine Schublade öffnet, um sie einzuordnen. Dieses Nichtwissen ist sehr mächtig und verführt uns dazu, unser eigenes Verhalten als richtig einzustufen, ohne es zu hinterfragen. Einfach nur aus dem Grund, "weil wir es immer schon so gemacht haben". Wir müssen versuchen, uns davon frei zu machen, uns davon zu lösen. Nimm die Etiketten von deinem Hund und betrachte ihn als das, was er ist. Ein Hund, ein emotionales Wesen mit sehr vielen Eigenschaften, die man nicht einzuordnen braucht.

 

Das falsche Selbstbild

Die zweite Ursache allen Übels ist das falsche Selbstbild, das wir Menschen oft haben. Entweder nehmen wir uns als zu wichtig oder wir fühlen uns minderwertig. Das heißt im Extremfall, wir sind entweder hochmütig oder stolz, oder voller Komplexe und Selbstmitleid. Am einen Ende sind wir übermäßig ehrgeizig, wollen immer besser sein als alle anderen, und am anderen Ende versinken wir in Selbstmitleid und negativen Glaubenssätzen. Das Problem liegt darin, dass wir uns mit einem momentanen Gefühl total identifizieren. Wenn wir z.B. einen Fehler gemacht haben, dann reden wir uns ein "Ich bin so dumm." Das stimmt natürlich nicht. Ein Fehler bedeutet nur, man hat mal eine falsche Entscheidung getroffen. Aber man IST nicht der Fehler. Im Zusammenleben mit unseren Hunden kommt das oft vor. Man traut sich oft nicht zu, dass Dinge im Alltag einfach klappen könnten. Stattdessen redet man sich ein "Ich bin zu langsam mit dem Geben des Leckerches" oder "Ich bin zu schwach für meinen Hund. Ich bin eine Versagerin." Wenn man auf dieser Welle dahinreitet, übersieht man leicht die tollen Dinge, die der Hund den ganzen Tag macht, und über die man sich freuen könnte. Dieses falsche Selbstbild führt auch dazu, dass man versucht, jemand anderer zu sein. Einerseits redet man sich z.B. ein, man sei dumm, aber andererseits will man nicht als Trottel dastehen. Also versucht man sozusagen seine eigene "Dummheit" zu überspielen, sich besser darzustellen, als man ist. Das führt bei unseren Hunden zu sehr viel Verwirrung, weil die genau merken, wenn wir nicht authentisch sind.

 

Begierde

Die dritte Ursache allen Übels ist die Begierde, also der Drang danach, alles haben zu wollen, auch wenn man es gar nicht braucht. Unsere Konsumsucht wäre ein Beispiel dafür. Man will immer mehr haben, und das sofort. Man glaubt, nur wenn man das hat, wird man glücklich sein. Null Impulskontrolle! Das ist auch schon die Überleitung zu unseren Hunden, von denen wir nämlich genau diese Impulskontrolle (die wir nicht haben) verlangen. Wie verrückt ist das denn? Da muss der Hund erstmal 2 Minuten sitzen, bevor er fressen darf. Würdest du das gern machen, wenn du hungrig bist? Unsere Hunde müssen sich ständig selbst beherrschen in Situationen, die wir kreieren, die aber für den Hund vollkommen unlogisch sind. Erwachsene Hunde sind nämlich sehr gut darin, sich selbst zu beherrschen, wenn es um Dinge geht, die für sie wichtig sind, die für sie Sinn machen. Daher leg deinem Hund bitte keine Kekse auf die Nase oder die Pfoten und verlang von ihm, dass er 2 Minuten stillhält. Das ist unnötiger Verbrauch von Selbstbeherrschung, die der Hund an anderer Stelle - z.B. bei Hundebegegnungen - viel nötiger brauchen würde.

 

Unbegründete Ablehnung, Nicht-Wollen

Die vierte Ursache des Leidens ist die unbegründete Ablehnung (basierend auf dem Nichtwissen bzw. der Unwissenheit). Vielleicht kennst du das. Du hast einmal mit etwas eine negative Erfahrung gemacht und von nun an lehnst du alles, was damit in Zusammenhang steht, ab. Oder noch extremer: Dir erzählt jemand von einer negativen Erfahrung und nun lehnst du das auch ab. Das passiert sehr oft in Zusammenhang mit unseren Hunden. Der eigene Hund hat einmal einem anderen Hund gegenüber aggressiv reagiert und von nun an lehnt man Hundebegegnungen generell ab. Oder der eigene Hund wurde einmal von einem anderen Hund angegriffen und von nun an fürchtet man sich vor allen freilaufenden Hunden. Anstatt die Lage realistisch einzuschätzen, sich mit der Hundesprache auseinanderzusetzen und zu lernen Hunde zu lesen, lehnt man diese Situation kategorisch ab. Um diese Ablehnung zu überwinden, muss man sich - wie gerade erwähnt - mit der Situation befassen. Die Ablehnung basiert auf Unwissenheit, daher verhilft uns das Wissen zu einem besseren Verständnis. Achte mal im Alltag darauf, wann und welche Dinge du ablehnst und ob diese Ablehnung unbegründet ist. Du willst z.B. nicht, dass dein Hund wegrennt, daher lässt du ihn nie von der Leine. Ist das eigentlich begründet? Wie oft ist er denn schon weggerannt? Steckt hinter deinem Nicht-Wollen vielleicht mehr? Hinterfrag das mal und setz dich mit der Situation auseinander. Geht es vielleicht um das Thema Bindung und du hast Angst davor, von deinem Hund verlassen zu werden? Oder hat die Ablehnung eine andere Ursache? Bemühe dich um Gleichmut und versuche, die Situation mit mehr Distanz zu betrachten. Das kann helfen.

 

Angst, Furcht

Daraus ergibt sich auch die fünfte und letzte Ursache allen Übels, nämlich alle Formen von Angst (Furcht, Zweifel, Unsicherheit, Panik). Dazu gehören die Zukunftsangst, Angst vor Krankheiten und Angst vor dem Tod. Diese Angst kann sehr mächtig werden und unsere Realität dominieren. Und Angst, wie wir wissen, ist ein schlechter Ratgeber. Sie blockiert uns. Wenn wir Angst haben, treffen wir keine guten Entscheidungen. Wenn wir uns also ständig davor fürchten, beim Spaziergang anderen Hunden zu begegnen, dann werden wir unsicher, sind gestresst und verhalten uns in der unerwünschten Situation (die mit Sicherheit passieren wird) falsch.

 

Weiterführende Links zu dem Thema:



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