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Warum dein Hund an der Leine zieht und warum Gehorsamstraining nicht hilft

Hundetrainerin mit Labrador an lockerer Leine
Schöne Spaziergänge an lockerer Leine - das wünscht sich wohl jede Hundehalterin.

Ziehen an der Leine gehört zu den häufigsten Herausforderungen im Alltag mit Hund. Kaum ein Thema wird so oft gegoogelt, diskutiert und trainiert – und kaum eines führt zu so viel Frust auf beiden Seiten der Leine. Viele Hundehalter:innen starten mit großen Hoffnungen ins Leinentraining, probieren unterschiedliche Methoden aus und haben am Ende trotzdem das Gefühl, dass sich kaum etwas verbessert. Der Hund zieht weiter, Spaziergänge bleiben anstrengend, und irgendwann stellt sich die Frage: Warum funktioniert das alles nicht?

Die Antwort ist oft unbequemer, als wir sie gerne hätten – aber sie ist entscheidend. Denn in den meisten Fällen zieht ein Hund nicht, weil er ungehorsam ist. Er zieht, weil sein innerer Zustand es ihm gar nicht erlaubt, sich anders zu verhalten.

Kurz gesagt:

Ein Hund zieht an der Leine meist nicht aus Ungehorsam, sondern weil er emotional überfordert ist und sein Nervensystem unter Dauerstress steht.

Ziehen ist kein Fehlverhalten, sondern ein Ausdruck von Überforderung

Wenn ein Hund an der Leine zieht, sehen wir das sichtbare Verhalten. Was wir nicht sehen, ist das, was im Inneren des Hundes passiert. Viele dieser Hunde sind draußen hochgradig erregt. Sie nehmen ihre Umwelt intensiv wahr, sind emotional aufgeladen, permanent im Außen und haben große Schwierigkeiten, sich selbst zu regulieren. In diesem Zustand ist Lernen nur sehr eingeschränkt möglich.

Gerade Hunde, die draußen schnell „hochfahren“, können nicht gleichzeitig ruhig, konzentriert und kooperativ laufen. Das hat nichts mit mangelnder Erziehung zu tun, sondern mit neurobiologischen Grundlagen. Ein Nervensystem, das ständig unter Spannung steht, ist nicht lernbereit – egal, wie oft wir ein Verhalten üben.


Warum Junghunde und jagdlich ambitionierte Hunde besonders betroffen sind

Besonders häufig begegnet mir dieses Thema bei Junghunden. Der Übergang vom Welpen zum erwachsenen Hund bringt enorme Veränderungen mit sich. Hormone, steigende Umweltwahrnehmung und noch unausgereifte Impulskontrolle treffen auf hohe Erwartungen. Viele Menschen merken erst in dieser Phase, dass das Thema Leinenführigkeit im Welpenalter zu kurz gekommen ist – oder dass die bisherigen Übungen plötzlich nicht mehr greifen.

Auch jagdlich ambitionierte Hunde ziehen häufig beim Gehen an der Leine. Für sie ist der Spaziergang kein entspannter Gang von A nach B, sondern eine hochkomplexe Tätigkeit. Ihre Nase arbeitet permanent, die Umwelt wird intensiv gescannt, Spuren werden gelesen. Das Nervensystem ist dauerhaft aktiv. Von diesen Hunden zu erwarten, dass sie ihre genetischen Anlagen einfach abschalten und ruhig neben dem Menschen herlaufen, ist unrealistisch – und unfair.


Warum hilft klassisches Leinentraining nicht?

Viele Trainingsansätze im Bereich Leinenführigkeit basieren auf der Annahme, dass der Hund weiß, was von ihm erwartet wird, sich aber bewusst dagegen entscheidet. Entsprechend wird versucht, das gewünschte Verhalten durch Korrekturen, Wiederholungen oder Konsequenz durchzusetzen. Das Problem dabei ist nicht mangelnder Wille des Menschen, sondern eine falsche Ausgangsannahme.

Ein Hund, der draußen stark erregt ist, kann nicht sinnvoll über Gehorsam lernen. Sein Gehirn ist im Reaktionsmodus, nicht im Lernmodus. Er handelt impulsiv, reagiert reflexhaft auf Umweltreize und ist kaum in der Lage, Informationen aufzunehmen oder abzurufen. In diesem Zustand mit klassischen Gehorsamsübungen zu arbeiten, führt nur zu Frust – beim Menschen wie beim Hund.


Stress, Erregung und Leinenführigkeit

Stress wirkt direkt auf das Nervensystem. Er verengt die Wahrnehmung, reduziert kognitive Fähigkeiten und schaltet das Gehirn auf Überleben statt Kooperation. Viele Hunde, die an der Leine ziehen, befinden sich draußen dauerhaft in einem erhöhten Stresszustand. Das kann sich schleichend entwickeln und bleibt oft lange unbemerkt.

Eine dauerhaft gespannte Leine verstärkt dieses Problem zusätzlich. Sie führt nicht nur zu körperlichen Verspannungen im Nacken-, Schulter- und Rückenbereich, sondern wirkt auch emotional belastend. Der Hund lernt: Draußen ist es anstrengend. Aus dieser Dauerbelastung können sich weitere Probleme entwickeln – von Frustration über Reaktivität bis hin zu aggressivem Verhalten.


Warum Schnüffeln beim Leinentraining entscheidend ist

Ein zentraler Punkt, der im klassischen Leinentraining oft übersehen wird, ist das Bedürfnis nach Umwelterkundung. Für Hunde ist die Nase das wichtigste Sinnesorgan. Schnüffeln dient nicht nur der Informationsaufnahme, sondern auch der Selbstregulation. Es hilft dem Hund, Erregung abzubauen und innerlich zur Ruhe zu kommen.

Wenn wir dieses Bedürfnis ständig unterbrechen oder verbieten, nehmen wir dem Hund eine seiner wichtigsten Strategien zur Stressbewältigung. Dabei ist es genau diese Fähigkeit zur Regulation, die ein Hund braucht, um später locker an der Leine gehen zu können.


Nasenarbeit als Grundlage für Leinenführigkeit

Gezielt eingesetzte Nasenarbeit wirkt direkt auf das Nervensystem. Sie fördert Konzentration, senkt den Erregungslevel und unterstützt den Hund dabei, sich selbst besser zu regulieren. Hunde, die regelmäßig sinnvoll schnüffeln dürfen, sind draußen oft ansprechbarer, ruhiger und weniger impulsiv. Nicht, weil sie besser gehorchen – sondern weil ihr System entlastet wird.

Leinenführigkeit entsteht nicht isoliert durch Training an der Leine. Sie ist das Ergebnis eines inneren Zustands, in dem der Hund überhaupt erst kooperationsfähig ist. Nasenarbeit ist kein Extra, sondern eine wichtige Grundlage für Leinenführigkeit.


Leinenführigkeit ist kein einzelnes Verhalten, sondern ein Gesamtprozess

„An lockerer Leine gehen“ ist kein Trick, den man einfach beibringt. Es ist das Resultat von emotionaler Stabilität, passendem Management, erfüllten Bedürfnissen und klarer, fairer Kommunikation. Wenn wir nur am Symptom „Ziehen“ arbeiten, ohne den Gesamtzustand des Hundes zu betrachten, greifen wir zu kurz.

Ein bedürfnisorientierter Ansatz bedeutet nicht, alles zu erlauben oder auf Training zu verzichten. Er bedeutet, Training dort anzusetzen, wo Lernen möglich ist – und nicht dort, wo der Hund bereits überfordert ist.


Leinenführigkeit ohne Druck – ein anderer Trainingsansatz

In meiner Arbeit verbinde ich fundiertes Hintergrundwissen für den Menschen mit praktischem, alltagstauglichem Training. Ein zentraler Bestandteil ist dabei gutes Management, das Stress reduziert, statt ihn zu erzeugen. Hinzu kommen gezielte Nasenarbeits- und Schnüffelübungen, die den Hund dabei unterstützen, draußen ruhiger zu werden und sich leichter am Menschen zu orientieren.

Jeder Hund lernt in seinem eigenen Tempo. Deshalb arbeite ich individuell und ohne Zeitdruck. Leinenführigkeit entsteht nicht durch Kontrolle, sondern durch Kooperation – und durch das Verständnis dafür, was der Hund in diesem Moment leisten kann.


Warum dein Hund nichts falsch macht

Ein Hund, der an der Leine zieht, tut das nicht aus Trotz oder Unwillen. Er tut es, weil sein Nervensystem überfordert ist, seine Bedürfnisse nicht ausreichend berücksichtigt werden oder die Umwelt schlicht zu viel für ihn ist. Wenn wir beginnen, das zu erkennen, verändert sich nicht nur das Training – sondern oft die gesamte Beziehung.


Möchtest du tiefer einsteigen?

Aus genau diesem Ansatz heraus ist mein Intensivkurs „Nasenarbeit & Leinentraining – ohne Ziehen, ohne Druck“ entstanden. Ein Kurs für Menschen, die ihren Hund verstehen möchten, bereit sind dranzubleiben und langfristig entspannte Spaziergänge erleben wollen.

👉 Mehr Informationen findest du hier:www.nasenarbeit-hunde.com/nasenarbeit-leinentraining

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