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Warum macht er das?

Hast du einen Hund, der dir manchmal den letzten Nerv kostet? Macht dein Hund Dinge, die du ihm am liebsten abgewöhnen würdest? Wo ist denn bloß der Aus-Knopf?


 

Was sind blöde Angewohnheiten, die dein Hund hat? Frisst er alles vom Boden, wenn ihr spazieren geht? Zieht er dich an der Leine durch die Gegend? Bellt er bei jeder Kleinigkeit? Springt er dich oder andere Leute an? Randaliert er an der Leine, wenn ihr einen anderen Hund seht? Kommt er nicht zurück, wenn du ihn rufst (obwohl du genau weißt, dass er dich gehört hat)? Ist er einfach generell sehr ungeduldig und aufgeregt und kommt schwer zur Ruhe? Knurrt er dich an, wenn du ihm seinen Knochen wegnehmen willst? Die Liste ließe sich noch weiter fortsetzen.


Es gibt viele Dinge, die Hunde tun, die uns Menschen nerven. Wir werden nicht gern an der Leine durch die Gegend gezogen, weil uns danach die Schulter weht tut. Wir möchten nicht, dass unser Hund andere Hunde anpöbelt, weil das einfach peinlich ist. Das Gebelle ist nicht auszuhalten, weil wir uns jedesmal erschrecken (besonders in der Nacht) und unsere Nachbarn sich aufregen. Vom Boden fressen soll er auch nichts, weil das erstens grausig und zweitens gefährlich ist. Mich anknurren geht gar nicht! Schließlich bin ich diejenige, die ihn füttert. Und wenn ich meinen Hund rufe, soll er gefälligst kommen. Ich rufe ja nicht zum Spaß!


Wir haben wirklich gute Gründe, weshalb wir darauf bestehen, dass der Hund das tut, was wir wollen. Oder?


 

Menschen spazieren mit ihren Hunden im Wald
Beim Spaziergang wünschen wir uns, dass unser Hund an lockerer Leine geht, auch wenn andere Hunde in der Nähe sind.

Aber wie ist das eigentlich mit dem Hund? Hat er auch gute Gründe, weshalb er tut, was er tut? Sollen uns diese Gründe interessieren?

  • Natürlich, wenn du eine glückliche Beziehung mit deinem Hund haben willst.

  • Natürlich, wenn du möchtest, dass dein Hund sich bei dir wohl fühlt.

  • Natürlich, wenn du gern entspannt mit deinem Hund spazieren gehen möchtest.

  • Natürlich, wenn du willst, dass dein Hund dich mag.

  • Natürlich, wenn du möchtest, dass dein Hund auf dich hört.

  • Natürlich, wenn du deinem Hund gerecht werden willst.


 

Gut. Aber fragst du dich auch manchmal, wo du anfangen sollst, um deinem Hund gerecht zu werden?


Zuerst wart ihr in der Welpenschule, um deinen Hund zu sozialisieren. Die "Sozialisierung-Checkliste" hast du brav in den ersten 16 Lebenswochen abgearbeitet (obwohl das ganz schön stressig war). Danach wart ihr im Junghundekurs. Das war anfangs eine Herausforderung, aber mit der Zeit hat dein Hund mitgemacht und war sehr gehorsam. Du hast auch viele Bücher über positive Trainingsmethoden gelesen. Vielleicht hast du sogar schon etwas von Konditionierung gehört und Klickertraining ausprobiert. Beschäftigung bietest du deinem Hund natürlich auch. Ihr geht gemeinsam Joggen, macht 1x die Woche Agility und regelmäßig Mantrailing. Andere Sportarten wie Canicross und Treibball habt ihr auch schon ausprobiert und im Sommer ist der Hund immer beim SUP dabei. Ihr liegt also voll im Trend. Denn auch dafür hat man einen Hund, oder? Dass er überall dabei ist und man gemeinsam aktiv ist. Ach ja, und Hundefreunde braucht dein Hund auch noch! Daher geht ihr regelmäßig auf die Hundewiese. Puhhh! So ein Hund ist ganz schön fordernd...

Bleibt immer noch die Frage offen: Warum macht er das (bellen, ziehen, springen, pöbeln, etc.), obwohl du ihm all das bietest? Er müsste doch eigentlich hoch zufrieden sein.


 

Die Antwort ist ganz einfach


All die Dinge, die du mit deinem Hund machst und die du von deinem Hund verlangst, sind aus deiner Perspektive richtig, jedoch aus der Perspektive des Hundes nicht. All die Dinge, die du mit deinem Hund machst, machst du für dich, nicht für den Hund. Das muss dir klar sein. Ich weiß, dass du denkst, du tust dem Hund etwas Gutes, aber leider ist dem nicht so. Und das ist der Grund, weshalb der Hund Verhaltensweisen zeigt, die aus deiner Sicht "problematisch" sind. In Wirklichkeit kann der Hund aber gar nicht anders. Er muss irgendwo seinen Frust loswerden.


Versetz dich in die Lage deines Hundes


Um das zu verstehen, würde es helfen, sich mal in die Pfoten des Hundes reinzuversetzen. Stell dir vor, du wärst (d)ein Hund? Welche Bedürfnisse hättest du? Gehorsamstraining, Klickertraining, Agility, SUP? Bestimmt nicht! Wie wär's mit Ruhen, Schlafen, Beobachten, Erkundungsspaziergängen, Futtersuche, Fressen, Kauen und selbst ausgewählten Sozialkontakten? Das sind alles Dinge, die Hunde nicht nur gern machen, sondern brauchen. Erst wenn das alles zur Genüge abgedeckt ist, kann man vom Hund verlangen, dass er sich in unserem Alltag angemessen verhält, also keine anderen Hunde anpöbelt, weil sein Bedürfnis nach Sozialkontakten, die er selbst auswählen darf, abgedeckt ist. Nicht dauernd an der Leine zieht, weil sein Bedürfnis nach natürlicher Bewegung abgedeckt ist. Nicht verschreckt neue Dinge oder Leute anbellt, weil er in seiner Entwicklung genug Zeit hatte, Neues in Ruhe kennen zu lernen und zu entdecken. Nicht gestresst und unruhig ist, weil er von Klein auf genug Schlaf und einen sicheren Rückzugsort hatte. Nicht alles einfach runterschlingt, was irgendwo am Boden herumliegt, weil er ausreichend Gelegenheit hat, Futter zu suchen, zu finden, Knochen zu kauen und zu zerlegen.


Sag "Nein" zu Training


Fällt dir auf, dass das Wort "Training" hier nirgends vorkommt? Training ist auch wieder eine Sache, die uns als Menschen total wichtig ist. Für gestresste, frustrierte, ängstliche, unsichere Hunde ist Training aber kontraproduktiv. Wenn du also einen Hund hast, der "Problemverhalten" im Alltag zeigt, dann versuche mal auf andere Art und Weise deinem Hund zu helfen, indem du nämlich ganz auf seine Bedürfnisse eingehst und dir genau überlegst, wie du diesen gerecht werden kannst. Mach täglich einen Schnüffelspaziergang mit deinem Hund, am besten im Freilauf aber zumindest an langer, lockerer Leine (keine Roll-Leine!) und Brustgeschirr. Lass deinen Hund entscheiden, wo er hingehen möchte und was er beschnuppern will. Lass deinem Hund die Wahl! Geh ihm einfach nach, beobachte ihn, interessiere dich für Dinge, die ihn interessieren, etc. Solche Schnüffelspaziergänge kannst du sowohl in der Stadt als auch im Wald machen. Probiere es doch einfach mal aus und bleib dran. Nach 3 Wochen solltest du eine Veränderung bemerken. Ist dein Hund ein bisschen ausgeglichener? Sind eure Spaziergänge nun weniger hektisch? Scheint dein Hund zufriedener zu sein? Dann hast du alles richtig gemacht.

Schwarzer Hund sucht im Laub nach Futter
Luna bei einer Suche im Wald

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