Was braucht ein Welpe wirklich? Über Beschäftigung, Nasenarbeit und die Basis für ein gutes Hundeleben
- Sarina Kriechbaum
- vor 1 Tag
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Du hast dich auf deinen Welpen vorbereitet – Bücher gelesen, Kurse recherchiert, vielleicht schon die Hundeschule angemeldet. Und dann ist er da, und du merkst relativ schnell: Die Theorie und die Praxis sind zwei verschiedene Dinge. Der Welpe schläft nicht 20 Stunden am Tag (wie oft behauptet wird), zumindest nicht am Stück. Die Schlafphasen sind kurz, danach folgt aktive Zeit – und in dieser aktiven Zeit will er beschäftigt werden. Von dir. Jetzt.
Spätestens ab der 14. Lebenswoche kommen dann die Fragen, die ich immer wieder höre: Wie soll ich den beschäftigen? Was soll ich mit ihm machen? Spazierengehen hilft nicht. Und irgendwo dazwischen taucht das Wort „Nasenarbeit" auf – und damit die nächste Frage: Was ist das eigentlich, und brauche ich das wirklich?
Dieser Artikel soll ein bisschen Klarheit schaffen. Nicht als Patentrezept, sondern als Einladung, genauer hinzuschauen, was in der Welpenzeit wichtig ist.

Bewegung ist gut – aber der Welpenkörper ist noch kein fertiger Hund
Wenn ein Welpe zu viel Energie hat, liegt der Gedanke nahe: mehr rausgehen, mehr bewegen, mehr erleben. Das klingt logisch. Und ein bisschen frische Luft und neue Eindrücke sind natürlich wertvoll. Aber bei Welpen – und auch bei Junghunden – ist körperliche Belastung eine Sache, bei der man wirklich aufpassen sollte.
Ein Welpenkörper ist ein wachsender Körper. Die Gelenke, die Knochen, die Muskeln – alles ist noch im Aufbau, ähnlich wie bei einem Kleinkind. Zu viel Laufen, zu lange Strecken, zu viele Treppen, zu viel Toben auf rutschigem oder hartem Untergrund kann dem Körper schaden, noch bevor er überhaupt fertig entwickelt ist. Die Folgen zeigen sich erst Monate oder Jahre später – in Form von Gelenkproblemen, Fehlstellungen oder dauerhaften Einschränkungen.
Das bedeutet nicht, dass ein Welpe in Watte gepackt werden soll. Es bedeutet, dass körperliche Bewegung bewusst dosiert werden sollte – und dass sie alleine sowieso nicht ausreicht, um einen jungen Hund wirklich zu beschäftigen. Denn was einen Hund innerlich zur Ruhe bringt und vor allem zufrieden macht, ist nicht Erschöpfung, sondern etwas anderes.
Was ein junger Hund wirklich braucht: Sicherheit
Bevor wir über Beschäftigung reden, möchte ich kurz innehalten bei etwas, das ich für das Wichtigste in der Welpenzeit halte: Sicherheit.
Junge Hunde sind fragil. Das sieht man ihnen nicht immer an – sie wirken oft mutig, neugierig, unerschrocken. Aber innerlich verarbeiten sie gerade unglaublich viel. Jeder neue Geruch, jedes neue Geräusch, jede neue Begegnung hinterlässt einen Eindruck. Und was dabei entsteht – ob ein Welpe die Welt als einen sicheren Ort erlebt oder als einen, der ihn überfordert – das prägt ihn fürs Leben.
Sicherheit bedeutet nicht, dass ein Welpe vor allem geschützt wird. Es bedeutet, dass er lernt: Ich kann die Welt erkunden. Ich darf Fehler machen. Ich finde meinen Weg. Das ist die Basis für einen selbstsicheren, stabilen Hund – einen Hund, der auch in neuen Situationen nicht sofort zusammenbricht, der Nein sagen darf, der Entscheidungen trifft, der Spaß hat.
Und genau hier kommt die Nasenarbeit ins Spiel.
Nasenarbeit – Erkundung, nicht Gehorsam
Nasenarbeit bedeutet, dass ein Hund aktiv mit seiner Nase sucht und erkundet. Das kann sehr einfach beginnen – Futter im Gras suchen, in Kisten schnüffeln, einen bestimmten Duft finden. Aber was dabei passiert, geht weit über das Suchen hinaus.
Wenn ein Welpe mit der Nase arbeitet, erkundet er seine Umwelt auf die natürlichste Weise, die es für einen Hund gibt. Er entscheidet selbst, wo er schnüffelt, wie lange, wie intensiv, etc. Er macht eigene Erfahrungen. Er lernt: Ich finde etwas. Ich löse eine Aufgabe. Ich bin erfolgreich. Das baut Selbstvertrauen auf – echtes, von innen kommendes Selbstvertrauen.
Dabei lernt er nebenbei auch Dinge, die man gemeinhin als „Life Skills" bezeichnet: Konzentration auf eine Aufgabe, das Aushalten von kleinen Frustrationen, das ruhige Herangehen an eine Herausforderung. Nicht weil man es ihm beigebracht hat, sondern weil der Prozess des Suchens es ganz natürlich mit sich bringt.
Das Ziel von Nasenarbeit ist nicht, den Hund müde zu machen. Es geht um Wohlbefinden – darum, dass ein junger Hund positive Erfahrungen sammelt, die ihn stärken. Das ist eine Basis, auf der man ein ganzes Hundeleben aufbauen kann.

Nasenarbeit ist kein Selbstläufer
Jetzt möchte ich einen Moment ehrlich sein: Nasenarbeit ist nicht einfach „ein paar Leckerchen streuen und fertig". Das kann ein Anfang sein – und er ist besser als nichts. Aber auch bei der Nasenarbeit gibt es Dinge, die gut laufen können, und Dinge, die man besser anders machen würde.
Wie stellt man die Aufgabe? Wie komplex darf sie für welches Alter sein? Wie reagiere ich, wenn mein Hund frustriert wird? Wann ist eine Einheit zu lang? Was signalisiert mir mein Hund gerade? Das sind Fragen, bei denen es wirklich hilft, anfangs begleitet zu werden – von jemandem, der Nasenarbeit kennt und versteht, wie junge Hunde lernen.
Nasenarbeit ist kein Trick und keine Abkürzung. Sie ist eine Praxis, die mit dem richtigen Verständnis für Hunde und ihre Bedürfnisse wächst. Und je besser du verstehst, was dabei passiert, desto mehr wirst du davon haben – du und dein Hund.
Ein letzter Gedanke
Nasenarbeit löst nicht alle Probleme. Sie ist kein Ersatz für gutes Training, für Grenzen, für klare Kommunikation, für Zeit und Geduld. Aber sie ist für mich eine der wertvollsten Dinge, die man einem jungen Hund mitgeben kann – weil sie ihn stärkt, anstatt ihn zu formen. Weil sie ihm erlaubt, er selbst zu sein.
Und das ist, glaube ich, was wir uns für unsere Hunde wünschen sollten: nicht einen Hund, der funktioniert – sondern einen Hund, dem es gut geht.




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