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Der "Willy Wonka Shit Tunnel" für Hunde

Ich habe als Jugendliche ab meinem 13. Lebensjahr immer im Sommer gearbeitet, und zwar im Restaurant meiner Mutter. Es war ein Restaurant direkt am Faaker See, 300 Sitzplätze, im Sommer an schönen Tagen gedroschen voll. Ich habe in der Eis- und Pommesbude gearbeitet. Da war die Kühltruhe mit Lutscheis - Cornetto, Twinni, Jolly und Co. -, der Soft-Eis-Automat und die Fritteuse mit dem heißen Öl für die Pommes. Vielleicht kannst du dir vorstellen, wie heiß es in der Bude war. Die Leute haben sich vor der Theke gedrängt, mit den Geldscheinen gewachtelt und mir zugerufen, welches Eis sie gern hätten. Darunter haben sich auch noch diejenigen gemischt, die in der Mittagshitze doch lieber Pommes wollten: " Ein Mal Pommes rot-weiß!" Das war eine Portion Pommes mit Ketchup und Mayonnaise. Der Job war wirklich mein Albtraum. Extrem stressig. Ich war total überfordert. Ich kann mich erinnern, dass ich mich oft tief in die Kühltruhe gebeugt habe, um das letzte Twinni rauszuholen und ein paar Sekunden den Kopf in der Truhe gelassen habe, einfach nur um einmal durchatmen zu können.


Hund beißt in die Leine.
Das Leinebeißen ist ein starker Ausdruck von Stress und Überforderung.

Daran denke ich manchmal, wenn ich Hunde sehe, die mit einer Situation überfordert sind. Wie geht es Hunden dabei? Was genau empfinden sie? Stress entsteht, wenn man nicht weiß, wie man mit einer Situation umgehen soll. Dann fühlt man sich überfordert. Solche Situationen haben sowohl körperliche als auch psychische Auswirkungen. Über die körperlichen Reaktionen wissen wir auch bei Hunden sehr gut Bescheid. Wir wissen, was bei Stress im Hundekörper passiert. Doch welche emotionalen Auswirkungen hat Stress auf Hunde? Wenn ein Hund bemerkt, dass ihm eine Situation zu viel wird, was macht das emotional mit ihm?


Border Collie unter Bank hat Angst
Hunde, die häufig Angst haben, führen kein glückliches Leben.

Ich könnte mir vorstellen, dass häufige stressige Situationen, in denen der Hund überfordert ist, nicht nur körperlich krank machen (das wissen wir ja bereits), sondern auch zu "Anxiety" führen und damit meine ich jetzt nicht "Angst", sondern extreme Aufregung, Sorge, Überforderung, innere Unruhe, Unbehagen.

Ich habe in einem Interview mit Brené Brown einen guten Vergleich gehört, wie sich "Anxiety" anfühlt. Sie nennt es den "Willy Wonka shit tunnel". Sie bezieht sich auf eine Szene im Film "Willy Wonka & The Chocolate Factory", in dem der Hauptdarsteller (Gene Wilder) gemeinsam mit einigen Kindern und Eltern auf einem Boot durch ein magisches Land fährt, alles voller Süßigkeiten. Dann fährt das Boot in einen Tunnel und die Bootsfahrt entpuppt sich rasch als eine Szene der Angst und des Kontrollverlusts. Das Boot wird immer schneller, rundherum passieren furchtbare Dinge, die alle keinen Sinn ergeben. Während die Insassen ausflippen, sitzt Willy einfach nur da und rezitiert ein Gedicht, immer schneller und schneller. Die Szene ist schwer zu erklären. Schau sie dir am besten auf YouTube selbst an (https://youtu.be/XB401RfGMlM).

 

So könnte sich wohl "Anxiety" auch für Hunde anfühlen. Kontrollverlust und die Vorstellung, dass alles nur noch schlimmer wird, weil man keinen Ausweg sieht. Laut einer Definition der American Psychological Association ist es "an emotion characterized by feelings of tension, worried thoughts and physical changes like increased blood pressure". Also eine Mischung aus Anspannung, Sorge und körperlichen Veränderungen wie erhöhter Blutdruck. Kein angenehmer Zustand.


War dein Hund schon mal überfordert? Hat er sich schon mal "total daneben" benommen und ist irgendwie ausgeflippt? Vielleicht war er da in diesem Zustand der "Anxiety"? Ist das sogar schon öfter passiert? Die Frage, die sich daraus ergibt, ist natürlich: Wie geht man damit um? Wenn Menschen zu Anxiety neigen, dann machen sie sich entweder große Sorgen um die Zukunft (dazu gehöre ich), oder sie versuchen das, was Angst macht, ganz zu vermeiden. Beide Strategien sind leider nicht erfolgversprechend. Ich weiß nicht, ob Hunde sich um die Zukunft Sorgen machen. Sie meiden aber lieber Dinge, die ihnen Angst machen. Das ist auf kurze Sicht gesehen schlau, hilft dem Hund aber nicht dabei, mutiger zu werden.


Welpe schnuppert im Gras
Schnüffeln, Suchspiele, Nasenarbeit - für Welpen eine wichtige Grundlage, sich zu selbstbewussten Hunden zu entwickeln.

Um glücklich und harmonisch zu leben, ist es aber wichtig für Hunde, mutig und selbstbewusst zu sein. Dazu müssen wir unsere Hunde empowern, ermutigen und ihnen Gelegenheiten bieten, in denen sie lernen, auch mal mit Stress umzugehen. Nasenarbeit und Schnüffelspiele bieten dafür die perfekte Grundlage. Indem Hunde lernen, selbständig Probleme zu lösen, stärken sie wichtige Fähigkeiten wie Frustrationstoleranz, Ausdauer und Nervenstärke. Biete deinem Hund regelmäßig gezielte Nasenarbeit, denn gerade das fehlt vielen Hunden mit sogenannten "Verhaltensproblemen".






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